Meine erste Soloreise und die daraus gewonnen Erkenntnisse

Ich möchte euch in diesem Beitrag von meiner ersten Soloreise berichten und euch dazu motivieren, über euren Schatten zu springen, Dinge zuzulassen und einfach das Leben zu genießen. Es ist viel zu kurz um sich in seiner Komfortzone zu verstecken. Geht raus, traut euch – ihr werdet es nicht bereuen!

Eigentlich hatte ich gar nicht genügend Zeit mich auf meine Soloreise vorzubereiten. Zuerst war ich voll und ganz in mein Studium und meiner Bachelorarbeit vertieft. Am Tag der Abgabe war ich dann schon auf dem Weg zur Weltmeisterschaft im Voltigieren und als ich von dieser nach einer Woche zurück kam, ging schon am nächsten Tag der Flieger nach Thailand. Einer meiner Freunde gab mir noch einen Spruch mit auf den Weg, den ich gleich auf die erste Seite meines Reisetagebuchs geschrieben habe: What if something excites you and scares you at the same time? Go do it.

Dieser Spruch passte wie die Faust aufs Auge. Er hat mich richtig motiviert und ich freute mich wahnsinnig, dass es endlich losging.

So saß ich dann am nächsten Tag alleine im Flieger auf dem Weg in ein 3-wöchiges Abenteuer. Ich hatte einen groben Plan, wo die Reise hingehen soll, habe jedoch nichts außer die erste Unterkunft gebucht. Nach einer Reisezeit von über 14 Stunden kam ich dann am Flughafen in Bangkok an. Ich hatte ein Kribbeln im Bauch und war einfach nur happy. Auch in meiner ersten Unterkunft fühlte ich mich gleich wohl und ging sofort raus, um mich etwas umzuschauen. Ich konnte es irgendwie gar nicht glauben, ich war alleine am anderen Ende der Welt. Ich war jetzt schon so unheimlich stolz auf mich, dass ich das alles alleine organisiert und durchgezogen habe. Die Zweifel mancher Verwandten oder Bekannten habe ich einfach nicht an mich ran gelassen. Dieses Gefühl war einfach unbeschreiblich und dies war erst der Anfang.

Ich möchte euch nicht bis ins Detail erzählen was ich an jedem einzelnen Tag gemacht habe, aber ich möchte euch von den Dingen erzählen, die mich oder zumindest meine Sichtweisen verändert haben.
Jeder, der mich kennt weiß, dass mein Alltag sehr strukturiert ist und ich für fast alles Listen und Pläne habe. Spontan geht bei mir sehr selten etwas. Aber genau das war meine erste Challenge für den Urlaub. In den Tag hineinleben und schauen was passiert. Am liebsten hätte ich am ersten Tag schon meine komplette Reise durchstrukturiert mit Unterkünften und Ausflugszielen, aber ich habe es dann geschafft allmählich in diesen Reiseflow zu kommen. Es war für mich mit Abstand die größte Herausforderung. Gedanken wie: „Du kannst ja jetzt nicht einfach so ausschlafen ohne etwas geplant zu haben – du musst schon jede Sekunde deines Urlaubes auskosten!“, begleiteten mich täglich. Ich sage mir jedoch immer wieder „Du kannst!“. Ich bin alleine am Weg, hab keine Verpflichtungen, niemanden auf den ich Rücksicht nehmen muss. Ich kann machen was mich glücklich macht und wenn das an einem Tag ausschlafen bis 10 Uhr ist, dann mache ich das. Wenn ich gerne 2h in einem Kaffee sitzen möchte, um ein Buch zu lesen, dann mache ich das. Wenn ich heute einen Ausflug machen möchte, dann mache ich das.  Ich fing an meine Zeit zu genießen, weniger oder kaum noch zu planen und so entdeckte ich eine ganz neue Seite von mir. Es machte mir Spaß und ich hielt in meinem Reisetagebuch all diese Erfahrungen fest, um sie dann zu Hause auch in meinen Alltag mitnehmen zu können.

Ich lernte in meinem Urlaub über meinen Schatten zu springen und Dinge zu machen, die ich sonst nie gemacht hätte. Einmal zum Beispiel fuhr ich mit einem Einheimischen am Motorrad quer durch Bangkok, um wieder zu meinem Hostel zu kommen. Jeder, der schon einmal in Bangkok war, weiß wie crazy dort der Verkehr ist. Diese Fahrt beinhaltete für mich mehr Adrenalin als jede Achterbahn, die ich jemals gefahren bin. Einen Moment lang wollte ich absteigen, weil ich Angst hatte die Fahrt nicht heil zu überstehen. Im nächsten Moment lachte ich über mich selbst und war stolz über meinen Schatten gesprungen zu sein. Für viele ist so ein Erlebnis vielleicht nichts Besonderes, aber für mich kostete das schon Überwindung. Ich gebe nicht gerne Kontrolle ab und schon gar nicht an Fremde, die ich nie zuvor gesehen habe. Dieses Erlebnis auf den Straßen in Bangkok war für mich jedoch so einschneidend, dass ich noch oft daran denke.

Ein weiteres Abenteuer auf meiner Reise war der Tauchkurs in Koh Tao. Diese Insel ist einfach unglaublich toll zum Tauchen. Ich buchte einen Open Water Kurs und machte nach 5 Tagen meinen Tauchschein. Es war definitiv das Highlight meiner Reise. Wir sahen so viele tolle Fische, wunderschöne Korallen und wir haben sogar eine Schildkröte gesehen. Einfach nur Traum. Am letzten Tag begleitete uns ein Filmteam und wir bekamen zum Abschluss alle eine DVD mit einem super tollen Video.

Auf mein Bauchgefühl hören. Ich buchte einmal eine Unterkunft in der ich mich so unwohl fühlte, dass ich am selben Tag noch abreiste. Ich kann bis heute nicht sagen woran es lag, irgendwie fühlte ich mich nicht wohl, konnte mich nicht entspannen und hatte das Gefühl weg zu müssen. Es gab keinen triftigen Grund und anfangs hab ich auch ganz normal ausgepackt und dieses erste Unwohlsein verdrängt. Ich legte mich erst mal ans Meer und las ein Buch. Der Drang, diesen Ort zu verlassen, wurde jedoch immer größer und so packte ich nach 2h wieder meinen Rucksack. Ich suchte mir eine neue Unterkunft. Keiner weiß, ob etwas passiert wäre oder nicht. Aber ich möchte euch ermutigen auf euer Gefühl zu hören. Man muss nirgend wo bleiben, wenn man sich nicht wohl fühlt. Ich machte mir Gedanken, was wohl die Dame an der Rezeption sagen wird oder was sich meine „neuen Nachbarn“ denken, aber das war mir am Ende egal. Ich bekam auch kein Geld mehr zurück, aber selbst das war mir in diesem Augenblick egal. Ich wollte einfach nur weck.

Ich habe mir oft die Zeit genommen und bin irgendwo an Aussichtspunkten gesessen oder am Strand und habe mir den Sonnenuntergang angesehen. Unglaublich schöne Momente in denen ich viel Zeit zum Nachdenken hatte und unglaublich viel Kraft tanken konnte.

Mein Fazit: Es war einfach Wahnsinn und ein sehr tolles Erlebnis. Ich habe so viel erlebt, gesehen und einfach den Moment genossen. Etwas, das ich definitiv öfter machen werde. Leben im Hier und Jetzt. In meiner Ausbildung zur Mentaltrainerin ging es sehr oft um dieses Gefühl, jedoch habe ich es noch nie so stark gespürt wie in diesem Urlaub. Alle „Probleme“, Sorgen und Ängste habe ich abgelegt und meinem Bauchgefühl vertraut. Ich habe das gemacht, worauf ich Lust hatte.

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